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Bildung & Brauchtum

LVM I/3 Ioculatrix - Verecundia

Das dritte Bild ähnelte einem Menschen.
Hatte nur eine gewundene Nase.
S
eine Hände waren wie Bärentatzen.
S
eine Füße wirkten wie Greifenfüße.

Es hatte schwarze Haare,
war bekleidet mit ausgebleichtem Gewand.

Und sprach.

IOCULATRIX – Spasssucht

Besser spielen als Trübsal blasen.
Spiel ist kein Frevel.

Wer Gott kennt, freut sich und singt.

Freut der Himmel alle Geschöpfe,
freue ich mich auch mit ihnen.

Zeige ich mich Menschen traurig,
schrecken sie vor mir zurück und weichen aus.
Das mache ich nicht.

Sondern bewege mich in vielen Spielarten,
damit sich alle mit mir freuen.

Gott schuf die Luft.
Süßen Klang trägt sie mir zu,
bietet mir Blüten voller Leben,
meine Augen daran zu weiden.

Was soll ich mich nicht daran freuen?

Menschen spielen mit Tieren,
wie Tiere mit Menschen spielen.

Das kommt gerade recht.

Wieder hörte ich aus der Sturmwolke
eine Stimme diesem Bilde antworten:

 

VERECUNDIA – Bescheidenheit/Wahrhaftigkeit

V
erehrst Götzen.
Machst sie ganz nach deinem Willen.

Bist totes Klatschen von Menschenhänden
in der Luft.

Dein Verlangen - zugleich menschlich und tierisch.

Verhältst dich teils Mensch, teils Tier.

Dein ganzes Verhalten gleicht dem von Kreaturen.
T
oten, nicht lebendigen.

Bekommst, was immer du begehrst.

Wandelst der Eitelkeit wechselnde Wege.

Erröten macht mich all dies.


Bedecke mich mit
Cherubsflügeln.

Lerne Gottes Geheimnisse
in Bänden und Gottesgesetzen.

Lebe in allen Himmelsdingen auf.

Sehe denn mit der Unschuld Augen.

Betrachte
rechtes Handeln nach Gottes Willen
von allen Seiten.

Das du in unwissender Blindheit fliehst.


Hildegard von Bingen - LVM I

LVM I/2 Petulantia - Disciplina

Das zweite Bild war wie ein Jagdhund,
stand auf seinen Hinterläufen,
hatte seine Vorderläufe über einen Stock gelegt,
und
wedelte mit dem Schwanz. Es sprach:

PETULANTIA – Leichtsinn

"Was schadet Vergnüglichkeit dem Menschen? 
Sie lässt ihn doch so leicht lachen?

Steckt doch ein so hübsches Lüftchen in der Seele,
dass sie klingen muss.

Welcher Mensch ist schon stets bereit zu sterben? 

Niemand!

Drum soll er sich freuen, solange er kann."

Wieder hörte ich aus der Sturmwolke
eine Stimme diesem Bilde antworten:

 

DISCIPLINA – Disziplin: Die Fähigkeit, zu lernen

Halunke,
gleichst tönendem Wind
wie schmuddelige Spassmacher.

Du bist in deiner Wechselhaftigkeit
wie Gewürm,
das Erde umgräbt.

Beachten die Menschen dich,
denen du im Scherz
begegnest,
geben sie dir nach, geht Anstand vor die Hunde.

Bringst sie, zu begehren, was immer sie wollen.

Schwingst müßige, unrechte Rede,
verwundest
so Menschenherzen.

Schaffst dir regelmäßig und gewohnte Wege,
Menschen
zu vereinnahmen.


B
in aber Gürtel der Heiligung,
Mantel der Wahrhaftigkeit,
in allen Ehren der Hochzeit des Höchsten Königs
verbunden.

Erscheine dort mit der Freude eines gut gezogenen Schösslings.

Erbebe da in der Gerechtigkeit vollständigem Schmuck.

Hildegard von Bingen - LVM I

LVM I/1 Amor Saeculi - Amor Caelestis

Das erste Bild hatte Menschenform.

Finster wie ein Brandgesicht,
umklammerte
es nackt mit Armen und Schenkeln
einen Baum unter den Zweigen.
Aus diesen wuchsen Blüten aller Art.

Mit seinen Händen riss es Blüten ab,
und sprach:

 

AMOR SAECULI - Liebe zur Zeit

Beherrsche vollkommen die Welt 
in ihren Blüten und Geschmeiden.

Wie kann ich welken, habe ich doch volle Lebenskraft?
Warum leben wie im Alter, strotze ich vor Jugendkraft?
Warum blind sein für schönen Augenschein?

Würde schamrot, das zu tun.

Solange ich die Schönheit dieser Zeit besitze,
halte ich gerne daran fest.

Anderes Leben? Mir unbekannt.

Fabeln höre ich davon, aber kenne es nicht.


Als es das sprach, verdorrte der Baum,
ging entwurzelt in Flammen auf,
und stürzte in den Schatten.

Und das Bild stürzte mit ihm.

...

Aus der Sturmwolke hörte ich
eine Stimme diesem Bild antworten:

 
AMOR CAELESTIS – Liebe zum Himmel (zum Zeitlosen)

Du bist so dumm.
Begehrst zu leben wie verglühende Asche.

Suchst nicht
Leben,
in dem Jugendschönheit nie welkt,
das 
selbst im hohen Alter niemals abnimmt.

Dir fehlt alles Licht.
Bist v
on tiefschwarzer Finsternis.

Allzu menschliches Begehren bedeckt dich wie Ungeziefer.

Lebst für den Augenblick.
Verdorrst dann später - wie Heu.

Stürzst in einen See aus Untergang.
Verendest dort, völlig verfangen darin,
was du als
Blüten siehst und nennst.


Bin aber Säule himmlischen Einklangs.
Habe vollkommener Lebensfreude Teil.

Weise das Leben nicht zurück,
vielmehr zerschmettere alles, was ihm schadet.

Verachte so auch dich.

Bin denn Spiegel aller Kräfte.
Wer glaubt, betrachtet sich
gründlich darin.


Du
aber läufst auf nächtlicher Bahn.

Deine Hände schaffen den Mangel.

Hildegard von Bingen. LVM I.

Fastenzeit - LVM I „Die Mitte der Schöpfung“

'Und ich sah einen Menschen von solcher Größe,

dass er sich von der Höhe der Wolken
bis zum tiefsten Abgrund
streckte,
und sich ab seinen Schultern
über den Wolken im klarsten Äther befand.

Von seinen Schultern bis zu seinen Oberschenkeln
stand er unter der Wolkendecke
wie in einer strahlenden Wolke.

Von seine Oberschenkeln bis zu seinen Knien
in erdnaher Luft.

Von seinen Knien bis zu seinen Waden
stand er in der Erde.

Von seinen Waden bis zu seinen Sohlen
stand er in den Wassern der Tiefe,
und
so auch über dem Abgrund.

Und er hatte sich nach Osten gewandt,
so dass er Osten und Süden betrachtete.

Bingensis. LVMI

...

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